Was für Futter braucht mein Hund?

Wer sich heute einen Hund zulegt und entscheiden muss, welches Futter wohl das beste für ihn ist, steht vor einer schier unglaublichen Auswahl. Wir geben Ihnen ein paar Anhaltspunkte, wie Sie sich besser im Dschungel der Futtersorten zurechtfinden.

 

Text: Anja Marti-Jilg

Quelle: www.hundemagazin.ch

 

Die einfachsten Lösungen, nämlich für den Rest des Lebens das Futter zu geben, das die Züchterin empfohlen hat, das zu kaufen, was beim Tierarzt im Regal steht, oder jenes, das der Grossverteiler anbietet und wo man auch sonst für die Familie einkauft, sind leider selten die besten.

 

Trockenfutter, Nassfutter oder selber zubereiten?

 

Die meisten Hundebesitzer greifen heute ganz selbstverständlich zu Fertigfutter und hier wieder in den allermeisten Fällen zu Trockenfutter. Es ist gut zu lagern und zu dosieren und verspricht alles zu enthalten, was der Hund so braucht.

Doch auch in der Schweiz gibt es immer mehr Verfechter des sogenannten BARF (ursprüngliche Bedeutung: Bones and Raw Foods, im deutschen Sprachraum übersetzt mit biologisch artgerechtes Rohfutter). Die Barfer misstrauen zumeist jedem Fertigfutter und erklären, die einzig artgerechte Ernährung für Hunde müsse derjenigen von Wölfen so weit wie möglich ähneln und deshalb in erster Linie aus rohem Fleisch, Knochen und nur wenig pflanzlichen Bestandteilen bestehen.

 

Das leuchtet durchaus ein. Schliesslich können Wölfe kein Getreide ernten und wir Menschen ernähren uns doch auch in den meisten Fällen nicht von Tütensuppen oder Dosenravioli, die wir mit Multivitamintabletten ergänzen – so die naheliegende Analogie zum Hundefertigfutter.

 

Tatsache ist aber auch, dass weltweit Millionen von Hunden mit Fertigfutter ernährt werden, dieses gerne fressen und in den allermeisten Fällen offenbar gut vertragen. Viele Hunde werden mit dieser Ernährung sehr alt. Das Barfen erfordert zudem von den Hundebesitzern, sich etwas näher mit den Ernährungsbedürfnissen des Hundes auseinanderzusetzen, um die Rationen bedarfsgerecht zusammenzustellen. Wer nur begrenzten Kühl- oder Tiefkühlraum zur Verfügung hat, den Hund zumindest hin und wieder fremdbetreuen lassen muss oder mit ihm auf Reisen geht, stösst hier schnell an Grenzen der Praktikabilität. Bei grossen oder gar mehreren grossen Hunden werden der Kauf und die Lagerung der ziemlich erheblichen Mengen Frischfleisch zum finanziellen und logistischen Problem.

 

Da aller Wahrscheinlichkeit nach nur wenige Leser diesen Weg gehen wollen, möchte ich hier alle an BARF Interessierten auf die entsprechenden Internet-Foren und die mittlerweile umfangreiche Fachliteratur verweisen. Als Standardwerk gilt das dünne Büchlein von Swanie Simon: «BARF. Biologisch Artgerechtes Rohes Futter.»

Pelletiert oder extrudiert

 

Fast alle Trockenfutter, die heutzutage auf dem Markt sind, werden im Extrusionsverfahren hergestellt. Hierbei wird die Futtermasse mit hohem Druck und kurzzeitig hohen Temperaturen durch eine Presse gedrückt und in Form gebracht, Anschliessend werden verlorengegangene Vitamine sowie Fette aufgespritzt.

 

Pelletiertes Trockenfutter erinnert rein äusserlich mehr an Kaninchenfutter oder Pferdeleckerli und wird meist als «kalt gepresstes» Futter verkauft. Die Herstellung der Pellets erfolgt tatsächlich unter niedrigeren Temperaturen als beim Pelletieren, allerdings müssen die Bestandteile vorher erheblich höher erhitzt werden, so dass kalt gepresst doch ein eher schönfärberischer Begriff ist.

 

Es gibt Hunde, die kalt gepresstes Futter sehr gut vertragen und mögen, und solche die anhaltend mit sehr grossem Output darauf reagieren. Das Futter quillt im Magen nicht auf, sondern löst sich auf. Kalt gepresstes Futter muss meist in Online-Shops bestellt werden, die Auswahl ist gering.

 

Hoher Preis gleich gutes Futter?

 

Woran aber lässt sich nun ein gutes Fertigfutter erkennen? Auf den ersten Blick leider gar nicht. Ein hoher Preis zum Beispiel bedeutet nicht notwendigerweise, dass man ein hochwertig zusammengesetztes Futter vor sich hat. Umgekehrt lässt sich sagen, dass sehr günstiges Futter in den allermeisten Fällen nicht besonders hochwertig zusammengesetzt ist. Das gilt besonders für Hundefutter aus dem Supermarkt; allerdings gibt es auch Hunde, die das tadellos vertragen – zumindest für den Moment.

Hundefutter vom Tierarzt

 

Viele Tierbesitzer glauben, dass das Futter am besten sei, das ihr Tierarzt im Regal stehen hat und ihnen wärmstens ans Herz legt. Damit haben Sie immerhin eine Garantie, nämlich dass Sie die teuerste Variante gewählt haben, um Ihren Hund satt zu bekommen, leider aber nicht die beste. Der ehemalige Spiegel-Journalist Hans Ulrich Grimme hat in seinem viel beachteten Buch, «Katzen würden Mäuse kaufen», eindrücklich dargelegt, wie Tierärzte bereits während der universitären Ausbildung von den grossen Futtermittel-Firmen bedrängt und bearbeitet werden. Das Thema Hundeernährung findet ausserhalb dieser Firmen-PR an den veterinärmedizinischen Fakultäten nicht statt. Die gleichen Futtermittelfirmen stehen dann auch schon parat, sobald die Praxis eröffnet wird. Die Margen auf die angebotenen Futtermittel sind enorm, die Werbekampagnen riesig, die Zusammensetzung ist gemessen am hohen Preis in den meisten Fällen minderwertig.

 

Weitere Informationen einholen

 

Damit sind wir beim Thema Informationsbeschaffung angelangt. Will man ein gutes Futter finden, bleibt es einem meistens nicht erspart, zusätzliche Informationen einzuholen. Hier bietet sich zunächst ein Besuch auf der Website des Herstellers an. Schon die Art des Webauftritts gibt uns einen ersten Hinweis darauf, wie ernst es die Firma mit der Transparenz ist. Schreien einem auf der Website hauptsächlich Werbung und unbelegte Behauptungen entgegen, wie sensationell einzigartig grossartig dieses Futter sei, ist Misstrauen angesagt.

 

Eine gute Website sollte für jede angebotene Futtersorte detaillierte Informationen bereitstellen, aus welche Zutaten das Futter besteht und was es nicht enthält. Optimal sind Prozentangaben bei den wichtigsten Bestandteilen, Angaben über die Verdaulichkeit (80 % sollten es schon sein) oder den Anteil tierischer Proteine am Gesamtproteingehalt.

 

Es sollte eine Möglichkeit bestehen, den Hersteller direkt per E-mail und Telefon zu kontaktieren, wenn man nähere Informationen wünscht. Kundenfreundlich sind Rubriken, in denen häufig gestellte Fragen offen und transparent beantwortet werden und auf kritische Punkte eingegangen wird.

Fleisch oder Getreide oder wie viel von beiden?

 

Was aber sollte nun in einem guten Hundefutter enthalten sein und was nicht? Da der Hund ein Fleischfresser, genauer gesagt ein Beutegreifer ist, sollte hauptsächlich Fleisch im Hundefutter sein. Im Trockenfutter ist aber in den allermeisten Fällen Getreide enthalten;, die Unterschiede in den Mengen sind beachtlich, aber nicht ganz einfach zu eruieren.

 

Eines der am heissesten diskutierten Themen in den Internetforen ist die Frage, ob, und wenn ja in welchen Mengen, Hunde Getreide verwerten können. Es wird immer wieder behauptet, Hunde als Fleischfresser könnten ausschliesslich mit Fleisch ernährt werden und Getreide sei lediglich als billiger Füllstoff anzusehen und für den Hund wertlos. Ausserdem rufe Getreide und ganz besonders glutenhaltiges wie Weizen häufig Allergien hervor.

 

Diese Aussage ist jedoch weder wissenschaftlich haltbar, noch deckt sie sich mit den Erfahrungen unzähliger Hundehalter. Meyer und Zentek schreiben in ihrem eingangs erwähnten Buch: «Eine Ration, die ausschliesslich aus Fleisch besteht, ist nicht vollwertig.»(…) «Sein (des Hundes) Verdauungskanal und Stoffwechsel sind nicht so extrem auf die ausschliessliche Aufnahme von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft fixiert wie bei anderen Karnivoren(…). In Gemeinschaft mit dem Menschen wurde der Hund mehr und mehr Omnivor (Allesfresser).» Und noch klarer: «Der ausgewachsene Hund verfügt, wie Enzymbestimmungen und praktische Erfahrungen zeigen, über eine hohe Kapazität für den Abbau von Stärken und ihren Teilstücken, sodass bis zu zwei Drittel der Gesamtfutterenergie in Form von Stärke zugeteilt werden können.»

Die meisten Trockenfutter bestehen zu einem Grossteil aus Getreide und zu einem geringeren Teil aus Fleisch. Glaubt man den Schreckensgeschichten im Internet, finden Getreideallergien bei Hunden rasende Verbreitung. In Wahrheit sind bei Hunden Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf ganz verschiedene Stoffe und sehr häufig auch auf bestimmte Formen von tierischem Eiweiss möglich. Leidet der Hund also nach dem Fressen von Trockenfutter dauernd unter Durchfall, wäre es fahrlässig, daraus zu schliessen, er habe wohl eine Getreideallergie. Nur eine unter ärztlicher Aufsicht durchgeführte Ausschlussdiät führt hier zu einer seriösen Diagnose und anschliessender Behandlung.

 

Getreide kann also vom gesunden Hund verwertet werden, trägt zur Sättigung bei und versorgt ihn mit wichtigen Nährstoffen. Welcher Hund welche Getreidesorten und Mischungen besser verdaut, lässt sich im Voraus nicht sagen. Ein sicherer Indikator für die Verdaulichkeit eines Futters ist aber die Kotmenge und deren Konsistenz. Blähungen und weicher Kot in grossen Mengen sind ein Hinweis darauf, dass das Futter nicht optimal verwertet wird.

 

Trockenfutter mit sehr hohem Fleischanteil (aufgrund des Produktionsverfahrens sind Prozentanteile von deutlich über 50 % in der Trockenmasse kaum möglich) und Rohproteinanteilen von 30 % und mehr sind in der Schweiz im Tierfachhandel nur selten erhältlich. Das Angebot steigt aber. Proteingehalte in dieser Höhe in einem Trockenfutter sind unter Experten umstritten. Während die einen erklären, Rohproteinmengen in dieser Grössenordnung seien unproblematisch, solange es hochwertige tierische Proteine seien, warnen andere vor Langzeitschäden, zum Beispiel Nierenproblemen. In der Schweiz sind Trockenfutter mit sehr hohen Fleischgehalten und Rohproteinwerten von über 30 % meist nur in Spezialgeschäften oder im Internet zu finden und natürlich ziemlich teuer.